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Was genau ist ein Online-Verlagsprodukt?


By Jannis Moutafis - Posted on 03 December 2009

Wie im letzten Kapitel geschildert ist eine Website, die für ihre Besucher lediglich ein Online-Archiv der in der Print-Ausgabe einer Zeitschrift publizierten Inhalte bietet, alles andere als ein vollwertiges Online-Verlagsprodukt. Dazu ignoriert sie noch zu sehr die Bedürfnisse ihrer Nutzer und sie ist – gerade deswegen – nicht in der Lage, Umsätze zu generieren.

Die Websites und Newsletter vieler Fachmedien sind noch häufig von den Trugschlüssen geprägt über das, was Online-Verlagsprodukte eigentlich sein sollten, über ihre Rolle und ihre Gestaltung. Hier eine Auswahl der populärsten:

  • Es ist eine Ergänzung zum Print-Produkt.
  • Es ist eine Website, die die Inhalte der Print-Zeitschriften anzeigt und dadurch zusätzliche Werbeeinahmen sichert.
  • Online ist dazu da, das Print-Geschäft zu stützen.
  • Ein Newsletter ist nichts anderes als das Inhaltsverzeichnis der aktuellen Ausgabe einer Zeitschrift.
  • Mit Websites und Newslettern kann man nicht wirklich Geld verdienen.
  • Das Print-Team kann das bisschen Internet mitmachen.

Um das Wesen und die Rolle von Online-Verlagsprodukten zu verstehen, sollte man zuerst die zwei grundlegenden Unterschiede zwischen Print und Online verinnerlichen:

  1. Print ist auf die Inhalte fokussiert, die eine Zielgruppe interessieren. Online ist auf die Aktivität einer Zielgruppe fokussiert.
  2. 
Print ist an ein Trägermedium gebunden – Papier. Online ist an kein Trägermedium gebunden.

Beide Unterschiede bereiten Verlegern große Probleme, sowohl in der Erfassung als auch in der Übertragung in ihre Geschäftsmodelle. Sie stellen die zwei Konstanten in Frage, um die herum ihr Geschäft aufgebaut ist: Den Gegenschaft ihres Geschäfts, sprich die Inhalte, die als solche verkauft werden und/oder um die herum Werbung verkauft wird; und das Medium, über welches sie ausgeliefert werden. Letzteres ist in der Regel Papier.

Online-Inhalte können allerdings auf allen möglichen Geräten angezeigt werden, vom Handy über den Computer bis hin zum Fernseher oder dem Display eines intelligenten Kühlschranks. Und darüber können nicht nur Inhalte transportiert sondern auch Aktionen initiiert werden.

Ein Online-Verlagsprodukt ist demnach die Summe aller Verlagsleistungen, die unter einer bestimmten Online-Marke angeboten werden und über die Umsatz generiert wird. Das umfasst die Bereitstellung von Inhalten und deren Vermarktung, Medialeistungen auf Basis dieser Inhalte sowie jegliche Funktionalität, die Nutzeraktivität ermöglicht. Diese reicht von der einfachen Kommentierung der Inhalte bis hin zur Kommunikation der Nutzer untereinander und die Bildung von Interessengruppen und Communities.

Eine noch sehr junge Wissenschaft

Wie erweitert man das eigene Portfolio an Inhalten um Aktivitäten und wie bringt man all das so in Umlauf, dass damit Geld verdient werden kann?

Patentrezepte dafür gibt es nicht – zumindest noch nicht. Die Debatten der Verleger in jüngster Vergangenheit belegen genau diesen Status. Das Internet ist ein Medium in der Entstehung. Online-Publizieren ist eine Wissenschaft, die noch in der Entwicklungsphase steckt, und Online-Verlagsprodukte jeglicher Art sind noch in der Beta-Phase. Doch das ist lange kein Grund, Online zu ignorieren und die Hände in den Schoß zu legen.

Genau das Gegenteil ist der Fall: Wollen Fachverlage auch morgen für ihre Zielgruppen relevant sein, müssen sie jetzt damit anfangen, den neuen Informationsgewohnheiten ihrer Leser Rechnung zu tragen. Und dazu haben sie im Vergleich mit den heute führenden Online-Medien meist noch einiges aufzuholen – und zwar an den Dingen, von denen man weiß, dass sie funktionieren und die sich dazu eignen, Leser zu erreichen und Online-Umsätze zu generieren.

Das Ziel der Verlage mit ihren Online-Verlagsprodukten im derzeitigen Stadium sollte sein:

  • Genug Umsatz zu machen, um deren Weiterentwicklung zu finanzieren.
  • Genug zu lernen, um der Übergang von Print auf Online zu gestalten.

Handlungsempfehlungen:
- Knöpfen Sie sich die Website eines Mediums vor, die Sie selbst gerne besuchen, und halten Sie all die Details fest, die Ihnen gefallen oder nicht gefallen.
- Suchen Sie in der Medienpresse nach Artikeln über dieses Medium und machen Sie sich ein Bild über seinen Werdegang und den aktuellen Status im Sinne von Popularität und kommerziellen Erfolg.
- Vergleichen Sie dieses Medium mit den Websites des eigenen Hauses bzw. denen, für die Sie zuständig sind und halten Sie all die Dinge fest, die Ihrer Meinung nach geändert werden müssten und die Sie gerne auch darauf sehen würden (Struktur, Funktionalität, etc.).
- Sprechen Sie mit einem Experten darüber, wie sinnvoll bestimmte Veränderungen und Features sein könnten und wie einfach oder aufwändig deren Implementation wäre.
 

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