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Das iPad – wen interessiert das?


By Jannis Moutafis - Posted on 01 February 2010

Was wurde im Vorfeld der Einführung des iPad nicht spekuliert, wie dieses Wunderding aussehen, wie es funktionieren und welche Auswirkungen es auf den Computer- und den Medienmarkt haben würde. Nun ist es da und wie beim iPhone fragen sich die meisten, wer so etwas wohl braucht. Und wie beim iPhone geht diese Frage am Thema vorbei.

Ich persönlich brauche kein iPhone. Mein Job zwingt mich nicht dazu so viel unterwegs zu sein als dass es sich lohnen würde, hohe Gebühren für ein Gerät zu bezahlen, mit dem mir das Internet übers Handy permanent zur Verfügung steht. Und wenn ich das trotzdem muss, kann das mein Nokia-Smartphone genauso – theoretisch.

Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht gerne ein iPhone hätte. Jeder, der von seinem konventionellen Smartphone aus ins Internet gegangen ist, kann das nachvollziehen. Es ist zwar schön, das Internet mit seinem Handy ansteuern zu können, aber auf diese Erfahrung kann man, wenn man nicht masochistisch veranlagt ist, gerne verzichten. Hat man daraufhin das Internet auch mit einem iPhone ausprobiert, ist fortan das Handy – smart oder nicht – nur noch zum Telefonieren und bestenfalls fürs E-Mail da.

Was hat das iPhone seit seinem Erscheinen für alle anderen Handy-Hersteller bewirkt? RIM (Blackberry), Nokia, Google und Co. geben sich seitdem verdammt viel Mühe, die Lücke zum iPhone in Sachen Benutzerfreundlichkeit halbwegs zu schließen und führen berührungsempfindliche Bildschirme und neue Bedienkonzepte ein. Sie werden noch eine ganze Weile dazu brauchen, über ihre Geräte das Internet genauso nutzbar wie über das iPhone. Und bis dahin wird das iPhone teuer, seine Gebühren hoch und iPhone-Nutzer als Angeber verschrieen sein.

Als Steve Jobs das iPhone vorgestellt hat, behauptete er vollmundig, das Telefon neu erfunden zu haben. Telefonieren kann man mit dem iPhone auch, aber das Wort Handy oder Smartphone trifft den Punkt nicht ganz. Was Apple neu erfunden hatte war vor allem ein Bedienkonzept, mit dem das Internet und diverse andere Computerfunktionen auf einem Handy-Display darstellbar und mit demselben handhabbar wurden. Dadurch wurden die Möglichkeiten eines Gerätes in Größe eines Handys dramatisch erweitert.

Bei der Vorstellung des iPad sagte Jobs, Apple hätte eine neue Gattung mobiler Geräte erfunden und damit die Lücke zwischen Handy und Notebook geschlossen. Man kann ihm diese Aussage kaum verübeln. Als Apple-CEO möchte er schließlich so iPads wie möglich davon verkaufen und Umsatz und Profit seines Unternehmens weiter ausbauen. Möge es ihm gelingen, das ist aber nicht besonders wichtig.

Womit Apple dieses Ziel erreichen will und womit das Unternehmen für das iPad wirbt, ist nicht so sehr das schicke Design, die Batterielaufzeit oder der Preis. Es sind seine Möglichkeiten, die sich über ein neues Bedienkonzept ergeben. Eines, über das auch ein Office-Paket wie iWork über einen berührungsempfindlichen Bildschirm nutzbar wird. Das ist zwar vom Prinzip her dasselbe wie das des iPhone, die Größe des Bildschirms verleiht ihm jedoch völlig neue Möglichkeiten. (Weshalb einige US-Journalisten das iPad als "iPhone on steroids", also als "gedoptes iPhone" bezeichnet haben.)

Apples Beitrag zur Computerei war und ist immer wieder derselbe: Es macht Computer nutzbarer, Bedienungsanleitungen überflüssiger. Vor Einführung des MacOS 1984 waren Computer größtenteils über Kommandozeilen steuerbar. Das Mac-Betriebssystem zeigte einen Schreibtisch auf dem Bildschirm, auf dem man über eine Maus Dokumente und Ordner hin und her schieben konnte – fast wie im richtigen Leben. Diese Philosophie des "Einfachermachens" zieht sich über die Vorstellung des iPod und des iPhone durch bis zum iPad. Bei letzterem braucht man nicht einmal eine Maus, um mit einem Computer fertig zu werden.

Wer braucht ein iPad? Ich nicht. Aber haben würde ich gerne eins wollen.

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