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Das iPad als Retter von Print – nicht ganz
Die Dankbarkeit von Springer & Co. für Steve Jobs und seiner Erfindung des iPad kann gar nicht groß genug sein, so euphorisch klingen ihre Kommentare über das Gerät und ihre Vorfreude auf das kommende Geschäft. Als Betreiber großer Medienmarken können sie das auch. Für die meisten anderen ist das iPad alles andere als eine Rettung.
Was sich die meisten Verlage vom iPad versprechen ist ein Weg, ihre Print-Inhalte neu zu vermarkten, die sie momentan zum Großteil kostenlos im Internet zur Verfügung stellen. Das iPad erlaubt eine Leseerfahrung, die sehr nah an Print ist – also müsste mit iPad-Adaptionen von Print-Ausgaben Abonnements und Umsatz zu machen sein, so das Kalkül. Es gibt gute Gründe, dieser Logik zu widersprechen.
Inhalt und Marke driften auseinander
In der guten alten Print-Welt definiert sich ein Medium über ein abgeschlossenes Paket – einer Ausgabe. Dieses Paket erscheint in festen zeitlichen Abständen und darin ist über die Aufteilung in Rubriken das inhaltliche Spektrum des Mediums abgebildet. Ab einer bestimmten Prozentzahl an Inhalten, die man interessant findet, wird das Medium für einen wichtig und man entwickelt Markentreue. Konsumiert man die Inhalte regelmäßig, wird man Stammleser und es entwickelt sich so etwas wie Markentreue.
Markentreue ist im Internet ein eher seltenes Gut. Warum auch? Man hat Zugriff auf die Inhalte im gesamten Internet und nicht auf nur eine Ausgabe mit 198 Seiten. Also lässt man sich allein von seinem Interesse zu einem Thema treiben und ist dankbar für alles, was man zu diesem Thema finden kann, unabhängig der Quelle.
Lässt sich der eigene Bedarf an bestimmten Informationen (vor allem Nachrichten) regelmäßig über dasselbe Medium abdecken, stimmt noch dazu die erwünschte Qualität, entwickeln sich auch hier Stammleser und Markentreue. Nur ist diese Treue im Internet wesentlich fragiler, da die nächste Site nur einen Klick entfernt ist – und man muss nicht einmal zum Geldbeutel greifen.
iPad-Nutzer ticken anders
Dass nun ausgerechnet eher fortgeschrittene Internet-Nutzer wie die derzeitigen Käufer des iPad dieses Verhalten aufgeben und sich stattdessen einerseits auf einzelne Medien beschränken, andererseits dafür auch bereitwillig zahlen, klingt ziemlich abwegig.
Klar werden etablierte Marken wie Der Spiegel, Die Zeit, Bild, etc. Abonnements für das iPad verkaufen. Nur, die oben genannten und noch eine Handvoll mehr haben es immerhin geschafft, auch im Internet zu Marken und zu Leitmedien zu werden. Vor allem aber wissen sie, wie sie mit den Informationsgewohnheiten dieser Zielgruppe umgehen müssen.
Noch dazu bekommen gerade iPad-Nutzer neue Möglichkeiten, interessante Inhalte noch besser für sich herauszufiltern. Wenn es eine Anwendung gibt, die das Leserverhalten eher ausdrückt, dann ist es Flipboard oder ähnliche Plattformen wie paper.li.
Flipboard verwandelt vom Nutzer gewählte Feeds und empfohlene Links aus sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter in eine auf dem iPad sehr gut lesbare und ganz auf die eigenen Interessen des Lesers zugeschnittene "Zeitung". Die Inhalte dieser "Zeitung" können noch dazu von allen möglichen Medien und Blogs kommen. Das klingt schon eher nach den Informationsgewohnheiten der Internet-Generation.
Es werden wahrscheinlich noch viele Jahre vergehen bis die derzeitigen Print-Leser auf Geräte wie das iPad umsteigen. In der Zwischenzeit werden die Probleme der Verlage, die auf einen Messias hoffen wie das iPad, nur noch größer.